Ein grosser Traum - Eine Weltreise mit dem Velo

wer schmeisst denn hier Kokosn├╝sse?(19.12.2011)

Land: Thailand/ S├╝d-Ostasien

 

Wer schmeisst denn hier Kokosnüsse…?
Thailand/Südostasien
Visa-chaos in Vientiane
Einmal mehr müssen wir uns um ein Einreisevisum kümmern, diesmal streben wir eine 30-Tagesbewilligung für Thailand an. Zusammen mit vielen Langzeittouristen und einigen Reisenden stehen wir frühmorgens in der Warteschlange vor dem Tor des Thai-konsulats. Ein jeder möchte die Bürokratie natürlich schnell erledigt haben und demzufolge geht’s hier nicht wirklich entspannt her und zu. Als das Tor sich wenig bewegt beginnt in der Menschenmasse ein Drängeln, Schupsen und Überholen. Vor dem Schalter gibt es für jeden Antragsteller eine Nummer, wir kriegen No.24/25 und setzen uns zum Ausfüllen der Formulare an den Tisch im Schatten. Bald tönt eine Stimme aus dem Lautsprecher und verkündet die Bestimmungen, nötigen Reisedokumente, ausgefüllten Formulare, Kopien von Pass und Laos Visa echt. Gleich danach kommt: „number 1, please go to desk no. 4“
„Gut organisiert“ denken wir und lehnen uns ein bisschen zurück, unsere Nummern sind ja noch weit entfernt. No. 6, No. 9, No.10….. und dann hören wir nur noch die Stimme durchgehend sprechen. So schnell kann das ja selbst hier nicht gehen, denke ich und versuche den Worten aus dem Lautsprecher, die nun nicht mehr deutlich sind zu folgen…….Oh, Nummer23 ist schon dran, 24, 25, 26, 27……das Band geht ab ohne zu stoppen, die Leute drängeln sich jetzt ungeduldig um den Schalter und jeder denkt „seine Chance“ verpasst zu haben. So natürlich auch wir, vor uns steht Nummer 33 und auch 58, ein kleineres Chaos beginnt und wir schauen uns fragend an. Irgendwie schaffen wir es dann später an den Schalter zukommen und dürfen unsere Pässe samt Antragsformular abgeben, am Schalter No.6 je 500Bath bezahlen (nur thailändische Währung) bezahlen und verlassen verrichteter Dinge das Konsulat. 24Std. später können wir unsere Reisedokumente wieder abholen und machen uns gleich auf den Weg Richtung Süden. Nach nur 20Km rollen wir über die Freundschaftsbrücke die Laos und Thailand verbindet und weisen am Zoll das noch „druckwarme“ Visum vor. Nach kurzer und unkomplizierter Abwicklung rollen wir über thailändischen Boden, doch halt, was ist denn hier los, wo?, wie?, äh?.... Ah, ja! In Thailand herrscht Rechtsverkehr, da fährt man auf der anderen Strassenseite. Uff! Schnell montieren wir unsere Rückspiegel auf die rechte Seite und strampeln auf der für uns falschen Seite nach Nong Khai. Im Zentrum der Stadt finden wir das Mut Mee Garden-Guesthouse direkt am Mekong, ein ruhiger Ort zum Verweilen, zum Ankommen in Thailand und sich verwöhnen lassen.
Nördlich von Bangkok fahrenwir durch grosse Gebiete die noch immer unter Wasser stehen. Der überdurchschnittliche Monsunregen vom Oktober und die Flut aus dem Gulf of Thailand im November haben hier einen Grossteil der Industrie und Landwirtschaft lahmgelegt oder sogar komplett zerstört. Die Spuren und das Ausmass der Katastrophe sind deutlich zusehen, Schutt und Dreck auf den Strassen, Abfall der in den Bäumen hängt, Stege und Sandsäcke und so manch ein Hausbesitzer erreicht sein Haus immer noch nur mit dem Boot. Es ist feucht-stickig, noch lange nicht alle Bewohner der überschwemmten Gebiete sind wieder in ihr Heim zurückgekehrt und die, die mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind tragen Mund-und Atemschutz aus Angst vor den Seuchen.
„On night in Bangkok“
Klar, diese Stadt pulsiert nach wie vor lockt allerlei Touristen und Geschäftsmänner an, doch ich meine dass Thailands Hauptstadt in den letzten 20Jahren sauberer geworden ist. Wo ich 1991 vor lauter Smog kaum atmen konnte, mein weisses T-Shirt nach einem halben Tag Stadtbummel schwarz war und die Tuck-Tucks, Taxis und Lastwagen ein riesen Chaos veranstalteten, herrscht heute viel bessere Luft und Ordnung. Der mega-Watt Verbrauch ist dafür gleichgeblieben, wenn nicht sogar noch angestiegen. Im westlichen Teil des Zentrums floriert der Sextourismus mit jungen Mädchen und Buben nach wie vor. Kaum aus den Windeln werden sie zu Opfer unmenschlicher Perversität und Geschäfte. Diese Branche ist leider für manche thailändische Jugendliche die einzige Chance zum überleben. Keine oder nur eine schlechte Schulbildung, Überpopulation, Armut und Elend im Elternhaus und aufwachsen in Grossfamilie zwingen die älteren Kinder, für den Unterhalt der ganzen Familie aufzukommen. Den eigenen Körper und somit die Seele zu verkaufen bringt gerade das Geld um sich und die kleineren Geschwister täglich ernähren zu können. Es gibt hunderte bekannte Fälle und zahlreiche Literatur über dieses Elend und trotzdem geht der Menschenhandel im „Land des Lächelns“ ungeniert weiter.
Wir beide schippern auf einem übermotorisierten Holzboot auf dem Chao Phraya Fluss aufwärts, sehen den Wat Phra Kaew, Wat Pho und Wat Arun, den schlafenden Buddha, kaufen Bananen auf dem Floating-Market und schwitzen heftig nach dem scharfen Thai-Curry in einem der lokalen Restaurants am Fluss. Dabei bekommen wir einen Eindruck vom Hochwasser im Zentrum, haben Einblick in die Häuser die zum Teil immer noch Wellengang auf dem Stubenboden haben, sehen Pumpen die rund um die Uhr Wasser aus den Häusern schaffen und sind beeindruckt vom eigenen, unermüdlichen Engagement der Flutopfer. Eine kleine Frau meint, die Wasserflut komme jedes Jahr im Monsun, doch dieses Jahr war es so viel wie noch nie zuvor und zeigt mit der Hand unter ihr Kinn “so hoch“!
 
Affen ernten Kokosnüsse
Um dem vorstädtischen Verkehrschaos zu entfliehen steigen wir in den Nachtzug und rattern, es rattert wirklich sehr heftig bis nach Lang Suan. Der Bahnhof ist klein, ein Hauch von Kolonialstyl vermischt mit Tom Sawyer-Abenteuer mit Asiatischen Charme. Morgens um 4.30 steigen wir an diesem Idyllischen Ort aus, trinken zuerst einen Kaffee vom Verkaufsstand und warten bis es hell wird. Die Thai`s sind unterwegs zur Arbeit, sausen mit dem Töff am Bahnhof vorbei oder schlendern zum Gleis 1, Gleis 2 existiert nicht. Wir fragen nach dem Weg zum Highway 4006, und meinen erst dass uns niemand versteht. Einen Moment später eskortiert uns ein thailändischer Motorradfahrer aus dem noch schlafenden Ort und schon radeln wir auf dem 4006 Highway Richtung Andaman Küste. Breite Strassen, angenehm, kühle Luft und nur wenig Verkehr lassen uns schnell viele Kilometer weiter kommen. Bei einer Trinkpause unter den Palmen fliegt direkt neben uns eine Kokosnuss vom Baum, noch eine ……und schon wieder eine…, ja was ist denn da los? Beim genaueren Hinsehen in die Palmenblätter entdecken wir zwei Pavian bei der Ernte. Erst wird getestet ob die Nuss schon reif ist und dann kräftig mit beiden Armen an den Früchten gezogen bis diese Hoch im Bogen von der 10 Meter langen Palme fliegen. Wir schauen dem Schauspiel längere Zeit zu, sobald alle reifen Früchte geerntet sind klettert Mr. Monkey flink am Stamm hinunter und hüpft zur nächsten Palme. Nun wissen wir also, von wo der Ausdruck „Chlätteraff“ kommt und weichen den harten Geschossen vom Himmel immer wieder aus. Später im Nachmittag biegen wir nach links ab, strampeln 10Km zum Laem Son Nationalpark und kommen zum Hat Bang Ben Beach. Dort, nur 300Meter vom Meer entfernt finden wir das Guesthouse Wasana, der Holländer Boudewijn und seine Frau Wasana empfangen uns herzlich, wir beziehen einen der hübschen Bungalows und kriegen später eine doppelte Portion feine Thai-Nudeln serviert. (Reservation +77-861434/ wasanaranong@gmail.com)
Nach ausgiebigem Frühstück mit Müesli, exotischen Früchten und Jogurt strampeln wir wieder zurück auf die Strasse 4006 und rollen Richtung Süden. In den Morgenstunden ist es angenehm kühl und auch vom Verkehr her, mit jeder Stunde aber die nimmt die Temperatur und die Dichte der Autos zu und so machen wir über die Mittagszeit eine lange Siesta im Maya-Café an der Strasse. Später, als die Hitze etwas abgeklungen ist radeln wir durch Kautschuk-Wälder die zwar schön Grün doch leider eine stinkende, ökologische Katastrophe sind. Dazwischen wird auch Palmöl aus den Palmen geerntet, auch hier eine fade Monokultur doch der Profit beider Produkte ist lukrativer als der Anbau von Reis oder Bananen. Das Palmöl wird dann zu Diesel verarbeitet, der durch die Verbrennung im Motor jede Menge Co2 produziert. Das schlimme an dieser Geschichte ist, dass die Bäume aus denen Palmöl gepresst wird nur geringe Mengen an Co2 Kohlendioxid zu o2 (Sauerstoff) umwandeln können, somit ist der Brennstoff nicht so biologisch wie zuvor angenommen und die Luftqualität in den Anbaugebieten dementsprechend schlecht. Und nur vom Diesel können sich die Menschen auch nicht ernähren, bei zunehmender Weltbevölkerung ist hiermit eine Nahrungsknappheit, vor allem Reis in den Entwicklungsländern in naher Zukunft vorprogrammiert.
Auf der Suche nach einem ruhigen Ort wo wir ein paar Tage relaxen und uns Gedanken über unsere Zukunft machen wollen landen wir an der Andaman Küste. Das blaue Meer lockt uns ins Wasser zu hüpfen, schnell raus aus den verschwitzten Velokleidern und ab ins kühle Nass. In einem kleinen Lokalrestaurant speisen wir Papaya-Salat und Fisch mit Reis und der Boy erklärt uns beim Servieren; „very spicy, carefully!“ „Carefully?! Vor 7 Jahren hat hier der Tsunami alles mitgerissen und den Einheimischen und Gästen von einer Minute zur anderen alles genommen. Viele sind nur mit dem Leben davon gekommen, viele haben ihre Liebsten in der mächtigen Welle verloren. Heute erinnern ein verbreitetes Tsunami-Frühwarnsystem und markierte Fluchtwege, hohe Betongebäude und einige unverbaute Küstenstreifen an die Katastrophe vom Dezember 2004. Die wiederaufgebauten Resorts sind meist 5Sterne- Hotels mit Spa und allem sich erdenklichen Luxus für ziemlich teures Geld. Natürlich fühlen wir uns in so einem „über-gepflegten“ Ambiente nicht wohl mit den durchgeradelten Velohosen und abgeschossenen T-Shirts und suchen deshalb etwas länger für eine Unterkunft. Es dauert ein paar schweisstreibende Kilometer bis wir den Ao Thong Beach finden und dort ein neues und sauberes Bungalow beziehen können.
Ganz einfach und gemütlich geht es da noch her und zu, der grosse Weihnachts-Ansturm ist noch nicht hereingebrochen und wir geniessen ein paar Tage die private Atmosphäre, das Baden im Meer und die thailändische Fischküche. Natürlich haben wir wieder solche Latte-Macciato- Streifen an den Armen und Beinen, die Sonne und somit das sommerliche Wetter kamen sukzessiv, erst ¾ Hose, dann Sandalen, T-Shirt, kurze Hose, Top und jetzt nur noch Bikini oder Badehose. Deshalb ist unsere Haut in den Farbnuancen Kaffee-braun, Schokolade-braun, Mokka, Creme-Caramel, Vanille bis Latte abgestuft, eben wie ein Kaffee Macciato. Nicht selten erregt das die Aufmerksamkeit der anderen Strandbesucher, einige lachen uns sogar aus! Nun, lachen tun wir auch denn wer hat schon die Zeit sich so langsam an das tropische Klima zu gewöhnen. Uns bleibt somit die Farbe Krebsrot erspart.
Weiter geht’s Richtung Süden, die Küste bleibt noch zwei Tage so natur-„Gewalt“-belassen, nur wenige Autos sind auf der Nebenstrasse unterwegs und wir hüpfen täglich 3-4 Mal ins Meer. An der Khok Kloi Beach dürfen wir, nachdem wir feines Curry im Strandrestaurant gegessen haben unser Innenzelt unter einem Palmen-Unterstand aufbauen und im Lied der Wellen einschlafen. Ein junges Thai-deutsches Ehepaar sind die Besitzer dieses Paradises und sie beide erlauben uns für eine Nacht zu campieren. Am Morgen gehört uns das klare Wasser und der lange Sandstrand ganz alleine und erst nach einem erfrischenden Bad machen wir uns auf die Weiterreise. Vorbei geht’s an Ananasfelder, die süss-saftigen Früchtchen sind gerade reif und sind nebst den Bananen eine willkommene Zwischenverpflegung. Diese Idylle ist aber mit dem Erreichen der Insel Phuket vorbei, die Strasse wird 4-spurig und der Verkehr immer dichter und lauter. Auf der Suche nach etwas Ruhe verlassen wir die 402 und kurbeln auf der Nebenstrasse durch den Laem Sal Khru Nationalpark, erhaschen immer wieder atemberaubende Ausblicke auf die Andaman-Sea, erspähen luxuriöse Villen an den Hängen und bezwingen enorm steile Strassenabschnitte die uns ganz schön ins Schwitzen bringen. Schweissgebadet und mit zitternden Knien vor lauter Kraft stehen wir dann oben auf dem Hügel und zelebrieren unseren 60`000- igsten Kilometer. Dass uns Thailands Süden nochmals so auf Ausdauer herausfordert hätten wir nicht gedacht. Noch mehr Herausforderung kriegen wir dann etwas später an der Küste zwischen Bang Tao- und Patong Beach geboten. Ich war hier schon einmal zusammen mit einer Kollegin, seither sind 20 Jahre vergangen und natürlich kein Stein auf dem anderen geblieben. Verschwunden sind die exotischen Palmenblätter-Häuschen mit den wackligen Bambusstühlen und der Fischerdorfcharakter. Der Lauf der Zeit hat zusammen mit dem Tsunami all meine Erinnerungen an Patong- Beach verschlungen. Der Verkehr auf der Strasse ist enorm hochfrequentiert und die touristischen Motorradfahrer sind meist unerfahren oder sogar rücksichtslos. Weil wir müde sind von dem Lärm quartieren wir uns in einem der vielen Hotels an der Kamala-Beach ein, schlendern später durch die Souvenirläden- Gassen zum Strand und nehmen einen Augenschein vom Badeferientourismus. Da uns hier einfach zu viel Betrieb ist beschliessen wir, am Morgen gleich nach Phuket weiter zu fahren. Ich bin froh als wir den letzten Steilhang gemeistert haben und schweissgebadet in die Stadt rollen, wo der Verkehr etwas gesitteter her und zugeht.
Hier haben wir ganz unerwartet einen ruhigen Platz gefunden, das Palm-Garden-Resort bietet hübsche und saubere Bungalows nahe dem Stadtzentrum wo wir uns um einige Dinge kümmern und organisieren wollen. www.palm-garden-resort.com
Heute feiern wir unseren 14. Hochzeitstag und 60`000km unfallfreie Fahrt mit einer guten Flasche Wein und exotischem Essen direkt am Sandstrand der Chalong Bay. Das Leben ist schön!!
Khob -khun krap……
 
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