Ein grosser Traum - Eine Weltreise mit dem Velo

Velkomme tilbake(03.03.2012)

Land: Malselv/Norwegen

 

Velkomme tilbake, sveitsker sykkler

 

Eishotel Jukkasjärvi

Nach über 3`000Km im Auto sitzend ist mein Bewegungsdrang enorm gross und ich kann es kaum erwarten endlich am Ziel anzukommen. In Jukkasjärvi, im schwedischen Lappland nahe der Norwegischen Grenze biegen wir rechts ab und finden das fantastische Eishotel. Gern würde ich in einem der von Künstlern gestalteten Iglu-Räumen schlafen, Jörg weigert sich aber strikt. „ Ig wüll nid verfrüüra bim schlofa“ brummt er, denn im Iglu darf es selbstverständlicher Weise nicht wärmer als 0° sein. Sonst würden die wunderbaren Skulpturen und Möbel aus kristallklarem Eis natürlich schmelzen. Wenn ihr jetzt vermutet dass hier schon einige Eisleichen herumliegen liegt ihr falsch. Für jeden Gast gibt es 2 Rentierfälle und einen dicken Daunenschlafsack. Damit kuschelt man sich bequem und warm auf dem Eisbett und bestaunt die Kreativität des jeweiligen Künstlers. Jeder der wohl 40 Iglu-Räumen ist einem Thema gewidmet und sieht deshalb verschieden aus. Mir hat der „Love-Iglu“, der „Tintenfisch“ und die „Pinguin Höhle“ am besten gefallen. Echte Künstler aus aller Welt haben sich hier verwirklicht, fast unglaublich was man alles aus Eis gestalten kann. Wir einigen uns dass wir, da es schon spät am Abend ist eines der „warmen Zimmer“ in einem Blockhäuschen mieten und uns diese spezielle Hotelanlage näher ansehen. An der Rezeption bekommen wir einen Pass der uns die Besichtigung aller aus Eis und Schnee geschaffenen Schlafräume, die Kirche und die Bar erlaubt.

Die Bar ist noch offen und wir kriegen einen Wodka-shot in einem Eisglas serviert. Praktisch denn so kann man sich die Eiswürfel sparen, das Glas fällt einem nicht aus der Hand da es an den Fingern klebt und abwaschen braucht man es auch nicht.

Wären wir nicht schon 14Jahre verheiratet so hätten wir uns hier in der Eiskirche das Ja-Wort gegeben. So speziell leuchtet das glasklare Eis aus dem der Altar gebaut ist, das Kreuz und auch die Bänke sind aus kristallklarem Eis.

Schwedisch Lappland

Durch das eisigkalte Lappland geht es dann am anderen Tag über die Grenze nach Norwegen, nur noch 300Km bis nach Bardufoss, nach mehr oder weniger 4Tagen im Auto wir sind endlich am Ziel angekommen. Im Polarbad werden wir von Mitarbeitern und vielen Gästen mit herzlichen Umarmungen, Kaffee und Kuchen empfangen. Zu erzählen gibt es so vieles dass ich grad nicht weiss, soll ich von unserer langen Reise mit den Velo oder der Odyssee im Auto und dem Eishotel erzählen. Später fahren wir zu Gun-bente und Ornulf, auch hier werden wir mit offenen Armen empfangen und eingeladen vorerst in ihrem Haus zu wohnen bis wir etwas Passendes gefunden haben. Müde aber total glücklich fallen wir ins Bett und schlafen erst mal richtig aus.

Jobbe, jobbe, jobbe…..

Am ersten Tag gibt es viel zu erledigen, beim Skatte-kontor müssen wir uns anmelden und eine neue Steuerkarte bestellen, zwei Wohnungen können wir besichtigen, eine Sitzung mit dem Geschäftsführer vom Polarbad und später fahren wir in den Skihügel nach Fjellandsby. Das ehemalige Skikaffee hat sich über den Sommer schön herausgeputzt, wurde total renoviert und strahlt nun als Restaurant eine stilvolle Atmosphäre aus. Gleich daneben steht eine neue Ski-boutique und Ausleihe von allerlei Aussen-Aktivitätsmaterial. Im oberen Stock ist ein Ski-Pup im Bau und wird in 2-3Wochen eröffnet. Der erste Eindruck ist positiv und wir kommen ins Gespräch mit dem neuen schwedischen Betriebsleiter und dem dänischen Restaurations-resp. Küchenchef. Ja ihr lest richtig, Fjellandsby ist international geworden, waren wir doch im Winter 08/09 die ersten und einzigen Ausländer hier oben, so arbeiten nun Schweden, Dänen, Lettländer, Polen, Philippinen, Deutsche und Schweizer hier. Das macht zum einen das Arbeiten interessant und abwechslungsreich, jedoch spricht kaum ein Mitarbeiter Norwegisch. Die Kommunikationssprache während dem Betrieb in der Küche oder im Restaurant ist Englisch. Anders im Polarbad, da wird die „norske sprak“ gepflegt, nebst uns und Hannu, dem finnischen Chef der Technik arbeiten dort nur Norwegen. Dass die zwei „sveitker sykkler“ wieder im Land sind spricht sich schnell herum und wir kriegen Jobangebote von überall. Wir müssen uns entscheiden denn alle Angebote können und wollen wir selbst bei 24-stündiger Einsatzbereitschaft nicht annehmen. Jörg bekommt eine 100% Anstellung im Technischen Dienst im Polarbad, die er sehr gerne annimmt. Seine Erfahrungen vom Winter 2010 an Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen und dem gut organisierten Betrieb lassen ihn dies nicht lange überdenken. Ich werde für Aktivitätsangebote, Wassergymnastik, Aquafitness, Schwimmkurs für Erwachsene und Watsu/Wata angefragt und als Aushilfe Badeaufsicht und im Polarbad-Kaffee eingesetzt. Gerne nehme ich diese gewohnten und neuen Aufgaben auf mich und freue mich über die vielen „Havfrua“/ Nixen die schon in der ersten Woche zu mir ins Wasser hüpfen.

„Sla oss ned“

Mittlerweile haben wir auch eine kleine Wohnung gefunden, wir wohnen im Ovrevejen 4/ Andselv im Zentrum von 9325 Bardufoss. Bis zum Polarbad brauchen wir max.20Min. zu gehen, Coop, Rema1000, Pizza-Kjellern und Post sind gleich um die Ecke. Am Wochenende werden wir beide im Skihügel Fjellandsby arbeiten, Jörg wird als Allrounder eingesetzt. Mit seiner enormen Flexibilität kann er Pisten präparieren, Skilehrer sein, Wein servieren, Rentierfilet braten, Apfelstrudel backen und fast alles flicken was „i utstand“ ist. Ich werde am Wochenende verantwortlich sein für das neue Ski-Pup das kommende Woche eröffnet wird. Es soll ein Platz sein wo sich die Leute aufwärmen können, Kaffee oder einen Punch trinken, am Abend ein Bierchen oder ein Glas Wein trinken, sich in gediegener Stimmung treffen und austauschen, im bequemen Sessel lesen oder die tolle Aussicht auf das Malselvtal geniessen können. Im neuumgebauten Restaurant gibt es ab nun keine „Polser/Chips, Potetmus med vinerpolser oder italiansk-Gryte“ mehr. Eine gepflegte Küche mit frischen Zutaten, geschmacklich und farblich gut abgestimmte Esswaren zusammen mit dem passenden Wein sollen ab nun den norwegischen Skifahrer und andere Gäste erfreuen. Ich bin gespannt wie sich das auf die hiesige Gäste auswirkt, wie sich Fjellandsby weiterhin entwickelt und nehme meine neue Herausforderung gerne an.

Das Ende der Polarnacht 11/12

Vor 10Tagen ist die Sonne wieder über den Arktischen Kreis zurückgekehrt, gerade jetzt, um 9.55 Uhr kommt der erste Strahl hinter dem Berg Istingportalen hervor und verzaubert das Malselvtal in ein goldenes Winterparadies. Lange wird das fantastische Licht uns noch nicht erhalten bleiben, um 13.30 wird sie in Richtung Meer verschwinden und die Dämmerung wird einsetzen. Doch jeden Tag bleibt die Sonne für 10 Minuten länger hier und erwärmt uns im Herzen und auch ein bisschen die Nase. Dafür gibt es als Gegenleistung fast jeden Abend fantastische Nordlichter zu bestaunen. „Aurora Borealis“ bietet fast jede Nacht eine faszinierende Vorstellung und tanzt im grün-bläulichen Licht über den sternenklaren Skandinavischen Himmel. Dieses Jahr sind speziell viele Sonnenaktivitäten zu messen, was mehr Sonnenstaub und elektrisch geladene Partikel durch die Luft schwirren lässt, deshalb ist „Aurora Borealis“ im Jahr 2012 so aktiv. Obwohl ich dieses Naturspektakel schon oft beobachten durfte erstarre ich jedes Mal vor Faszination wenn ich dieses Schauspiel sehe.

Besuch aus der Schweiz

Mitte Februar kommt Sabrina, meine „lille, store Soster“ und ihr Chrigi zu Besuch und wir freuen uns enorm auf die beiden. Zusammen geniessen wir, trotz viel arbeiten die Stunden mit meiner Schwester und ihrem Lebenspartner und lernen uns dadurch neu kennen. Die letzten Jahre hatten wir nicht viel gemeinsame Zeit, Job und Wohnort und unsere lange Reise haben uns in einer gewissen Distanz leben lassen und umso mehr haben uns die Momente gut getan. Die Tage sind ausgefüllt mit einer Entdeckungsreise auf die Insel Senja, einer rasanten Hundeschlittenfahrt, Schneeschuhlaufen im Tiefschnee, nächtlicher Jagd nach „Aurora Borealis“, Skifahren im Myrefjell, saunieren und sprudeln im Polarbad Jacuzzi und Feindining „chez Jörg“.

Es fällt nicht nur mir und Jörg schwer, die Beiden am Abreisetag ziehen zulassen. Unsere Freunde und Bekannten haben Sabrina und Chrigi ins Herz geschlossen, finden dass die beiden gut nach Nord-Norwegen umsiedeln könnten.

Schnee, Schnee, Schnee

Nun ist der Monat Februar schon vorüber, 10 Wochen sind vergangen seit dem kürzesten Tag, der Wintersonnenwende und heute, am Schaltjahrtag scheint die Sonne schon 10 Stunden. Es schneit zwar schon fast eine Woche lang ununterbrochen im Malselvtal, sodass wir die Sonne im Moment nur in Form von Tageslicht wahrnehmen können. Dafür türmen sich aber die Schneehaufen bis zur 1.Etage der Häuser und alle Pisten in Fjellandsby sind nun richtig gut präpariert. Genauso wie es die Samen, das indigene Volk von Lappland und Finnmark prophezeit haben, gibt es nun den langersehnten Schnee. Wie die Muotataler in der Schweiz sind die Samen die Wetterfrösche in Skandinavien, die die Wetterprognosen anhand der Natur und Tierwelt voraussagen können. Für Jörg und mich gibt es viel zu tun, im Skihügel sowie auch im Polarbad wo ich heute zusammen mit einigen tollen Frauen einen Wellness-Abend organisiere. Bei Kerzenlicht und ruhiger Musik verwöhnen wir unsere Damen, Frauen, Mädchen und Nixen mit verschiedenen Massagen, Pediküre und Manikür, Jacuzzi, Tai-Chi im warmen Pool und knackigem Salat vom Buffet. Ab morgen ist März, das heisst, der Nord-Norweger macht Skiferien und dann geht’s erst richtig los auf den Pisten vom Myrefjell.

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