Ein grosser Traum - Eine Weltreise mit dem Velo

Sla oss ned(20.04.2012)

Land: Malselv/Norwegen

 

Sla oss ned i norge


 

Einige Wochen sind vergangen seit wir uns hier im Norden von Norwegen niedergelassen haben. Die Tage sind merklich länger geworden, die Temperaturen dementsprechend höher. Unsere Arbeit füllt einen grossen Teil der Zeit aus, spannende Angebote und Aufgaben durften wir annehmen und die Arbeitswelt neu entdecken. Jörg ist mit seinem Job im Polarbad sehr zufrieden, er freut sich über das gute Arbeitsklima und nette Kollegen. Er ist täglich mit Kontroll- und Reparaturarbeiten im Technischen Bereich des Hallenbades, der 3-Fachmehrzweckhalle „Bardufosshallen“ und dem nebenanliegenden Bürohaus „Naringshage“ beschäftigt. Seine Flexibilität und Improvisationsfähigkeit kommen ihm bei den täglichen Aufgaben zugute denn Ersatzteile, Baumaterial und Werkzeug ist hier oben nicht so leicht zu bekommen. Es mangelt so an vielerlei dass „Man“ benötigt um z.B. Türschlösser zu reparieren, die passenden Schrauben findet man eher schwer und Ersatzteile müssen erst in Oslo oder im Ausland bestellt werden. Trotzdem findet er zusammen mit seinem Chef immer eine plausible Lösung für das anstehende Problem. Am Wochenende steht Jörg im Fjellandsby-Lavo hinter dem Grill und verkauft den Gästen Gourmet-würste und heissen Kakao. Lavo=Tipizelt   Die Dynamik im Skihügel hat eine etwas andere Form angenommen, das Restaurant bietet mehrheitlich Gourmet-menus an, die Preise sind dementsprechend angepasst. Die Norweger sind seit je her ein „fjellfolk“ eine „fjelltur“ ohne den Rucksack gefüllt mit Esswaren, w.z.B. Orangen und „Kviklunsj“ ist für die meisten undenkbar. Bergvolk/Bergtour/Schockoladenwaffel. Dazu kommt, dass die Sparmassnahmen der Krise Zufolge nun auch den Arktischen Zirkel überwunden hat, das heisst die Norweger geben ihr Geld auch nicht mehr so leicht aus. Der Benzinpreis wird fast wöchentlich angehoben, z. Z. kostet 1Liter Benzin SFr.2.60-/Diesel SFr. 2.40 . Der Staat hat auf das Jahr 2012 die Steuer um ca. 5% angehoben und kassiert somit mehr als 33% der Bruttoeinkommen eines jeden Arbeitenden. Die Folge der verschiedensten Gründe ist, das auf dem Skihügel generell weniger Betrieb ist als die Jahre zuvor.  Zu teuer empfinden nicht nur die Konsumenten den Preis für eine Wurst vom Grill und ich habe geradezu ein schlechtes Gewissen den Gästen gegenüber, wenn ich für einen „Polser“ vom Gasgrill mit einem plumpen Industriebrötchen SFr. 9.- verlangen muss. Ein eisiger Wind bläst oben in Fjellandsby, das Restaurant steht voll unter Lettländischer-Herrschaft und in der Küche geht’s Dänisch her und zu. Nach einem verbalen Zusammenstoss mit einer anderen Mitarbeiterin, schätze ich das Arbeiten oben im Pup für mich als gefährlich ein. Die nette Kollegin aus Lettland wollte mir, nachdem ich sie mehrmals gebeten habe mir zu helfen , alle Finger brechen und versicherte mir auch dass sie dazu fähig ist. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie ein solches Arbeitsklima erlebt und ich fühle mich deswegen komplett deplatziert. So habe ich die Konzentration meiner Arbeit mehr in das Polarbad verlegt, gebe diverse Kurse im Wasser und neuerdings auch an Land und arbeite oft als Badevakt . Die Arbeit macht mir eigentlich Spass und wir beide fühlen uns wohl in unserem geregelten Alltagsleben, doch ab und zu vermisse ich den „Fahrtwind um die Nase“.


Vermisse den Fahrtwind um die Nase


 

Wenn ich von anderen Reisenden mit oder ohne Velo lese, die sich gegenwärtig in der Welt bewegen so wird mir ganz flau in der Magengegend und ich wünsche mich auf mein „burro“……der nun in der Schweiz bei meinem Vater in der Garage steht und auf das nächste Abenteuer wartet. Sich nach einer solch langen Reise wieder an einem Ort niederzulassen tut im ersten Moment einfach gut, man kommt zur Ruhe und beginnt, die Erlebnisse der vergangenen Jahre zu verarbeiten. Oft passiert es uns, dass wir den wahren Grund oder den Wert der einzelnen Begegnung erst im Nachhinein realisieren. Verstehen erst heute, warum wir den „Güggelibrater“ in Mexiko treffen mussten, was der alte Argentinier in Ushuaia meinte mit „Ja, ihr Schweizer habt die Uhr erfunden, wir in Patagonien die Zeit“ oder welche Botschaft uns der weise Musliman in Tajikistan übermittelt hat. Eine Abenteuerreise, in totaler Freiheit und Ungebundenheit wie wir sie geniessen durften wird erst dann richtig wertvoll wenn man wieder einem geregelten Rhythmus nachgehen muss, die Zeit einhalten muss oder in den Alltag eingepflanzt ist. Wenn der Wecker schrillt und du bist eigentlich noch nicht ausgeschlafen, wenn deine Batterie leer ist doch die Arbeit noch nicht fertig oder wenn du die Konflikten stellen musst, so wird mir klar, welches Geschenk wir uns mit den letzten 6 Jahren Freiheit gemacht haben. Genau dann, eben wenn der Wecker dich schrill aus den Träumen reisst, wenn du müde bist oder wenn du unangenehme Situationen meistern sollst so schöpfe ich Kraft aus dem Erlebten. So finde ich trotz allem Übel etwas Gutes an der Sache und schöpfe Lebensenergie aus meinen Erinnerungen. Egal wo ich bin, egal wie wichtig die Angelegenheit für mich ist, diesen Schatz hüte ich in meinem Herzen drin mehr als alles andere in der Welt. Gedanken an liebe Menschen die uns begegnet sind, Augenblicke von kurzen Treffen auf unserem Weg, kleine und grössere Naturwunder und das Wissen, dass immer ein Türchen aufgeht, all diese Aufmerksamkeiten geben mir die Kraft um meinem Alltag zu meistern.


 

In den Nächten, die nun immer kürzer werden können wir immer wieder die „Aurora borealis“ tanzen sehen, oft schleichen wir uns dann in der Nacht aus dem Haus, ab und zu auch mal mit Fotoapparat, doch meistens vergessen wir diesen Kasten und bemerken es erst wenn wir unter dem wellenartigen Schleier stehen und staunen. Immerwieder ein spezielles Erlebniss denn "Aurora Borealis" hat ganz verschiedene Gewänder und Tanzformationen zu bieten.   
Für ein verlängertes Wochenende durften wir mit Gunn-Bente und Ornulf zusammen in ihr Wochenend-und Ferienhaus nach Faksfjord fahren. Es geht erst über den Hügelzug nach Sorreisa und dann dem Solbergfjord entlang Richtung Süd-Westen nach Kastneshamn. Das Licht der Sonne zur Abendstunde verzaubert die Fjorde in ein golden-schimmerndes Paradis, wir staunen und amüsieren uns und sind schon in richtiger Ferienstimmung als wir in Faksfjord ankommen. Im gemütlichen Haus kocht Ornulf eine feine „Faks- elia“ eine Paella a la noruega, mit Königskrabben, Crevetten und knackigem Gemüse und Reis schmeckt dieses Gericht lecker. Vor dem Schlafengehen setze wir uns in den "badestampa" und bewundern den Sternenhimmel der über Faksfjord besonders schön ist. /Badezuber Das Licht der tausenden Sternen spiegelt sich im spiegelglatten Meer und der Mond steht schon über dem Zenit…….so als ob ein Kunstmaler uns eine Märchenwelt präsentieren möchte.             


 

    


 

 


 

     
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