Ein grosser Traum - Eine Weltreise mit dem Velo

Midnatsol(11.06.2012)

Land: Norwegen

 

Midtnattsol  und nun endlich sind die dicken Wolken abgezogen aus dem MalselvTal und wir kriegen Sicht auf die Mitternachtssonne. Es kommt mir vor wie ein Wunder, es fasziniert mich total und erklärt mir so manche physikalischen Regeln der Erde und ich lerne den Rhythmus der Natur zu verstehen. Jetzt bleiben Kappen, Schal und Handschuhe im „Wüähl Chorb“ in der Garderobe liegen. Stattdessen trage ich Sonnenbrille und creme mich ein mit Sonnencreme SF 40+. Die Sonne über dem Polarkreis hat enorm Kraft und dazu auch Ausdauer, denn sie strahlt 24Stunden lang vom Himmel. Die orange Kugel steht aber nie über unseren Köpfen so wie sie z.B. am Mittag in der Schweiz vom Himmel sticht. Nein, hier kreist die Sonne in den Sommermonaten über dem unendlichen Horizont und wirf ein spezielles Licht auf Europas Dach. Die Natur verwandelt sich nun mit jedem Augenblick, Blätter schiessen förmlich aus den Knospen, an den vom vielen Schnee flachgepressten Borden blühen Blumen und wo gestern noch brach-dürres Grasland war, wächst über 24Stunden das Gras dass übermorgen gemäht werden kann (oder muss) . Rentier, Plastik Schneemänner, „Spark“ und Langlauf-Ski werden  in den Keller verfrachtet, das fast obligate Trampolin wird im Garten platziert und Gartenzwerge erleben den Aufmarsch zur Rabatte. Die Schneeschleuder verschwindet mitsamt dem Snow-mobil hinter dem Haus, der Rasenmäher und das Boot werden in Poolposition zum Einsatz bereitgestellt.  Der Durchschnitts- Norweger besitzt eine Hütte im Fjell (Berg)  und eine Hütte  i hav (am Meer), sodass er eigentlich immer hin und her reist. Besonders im Sommer und speziell in den Ferien ist hier auf den Strassen viel los, luxuriöse Mobil-Home, farbig-rostigen VW-Büsli reihen sich an träge Wohnwagen, Touristen-Busse schlängeln sich um die Kurven  und alle wollen das selbe „ raus in die Natur und die Mitternachtssonne sehen“- Die Autos mit ausländischem Nummernschild steuern meist strikt und schnurrgerade nord-süd das Nordkap an, die mit dem „N“ bewegen sich mehrheitlich ost-west, obwohl man da eigentlich gar nicht so weit kommt. In der Region Midt-Troms ist Norwegen von der schwedischen Grenze bis zur norwegischen Nordsee gerade mal 60km breit.


 

Nun ist es also „sommer i Nordnorge“, so sagt zumindest der Nord Norweger wenn es um 15-18° warm ist und wischt sich schon den ersten Schweiss von der Stirn. Wenn es für Jörg und mich langsam angenehm wird und wie gesagt, die Kappe im Korb bleibt, so hüpft der Nordmensch schon in kurzen Hosen, T-Shirt und Sandalen herum. Wir beide trennen uns bei dem frühlingshaften Klima ungern und nur  langsam vom Pulli und finden es zwar nicht mehr kalt, aber auch nicht richtig warm, geschweige denn heiss. Apropos heiss, dieses Wort existiert nämlich gar nicht im „Nynorsk“ Wörterbuch, es gibt nur „varmt“ und „velde varmt“!! (das wäre ja auch total unnütz!!) Ganz smarte Leute sagen sogar; es gibt kein Sommer über dem arktischen Zirkel es gibt nur Winter und die grüne Jahreszeit. Und dies sei so aufgeteilt; 9:3 Monate!!  Da haben wir ja noch etwas vor uns, wenn ich meinen Kleiderschrank durchstöbere so finde ich da 1 Kleidli, einige T-Shirts, 2 kurze Hosen und einen Haufen Faserpelzjacken, Jeans und Merino-Wäsche. Und wie schon gesagt, den „Chappa-Schal-Händschä-Wüählchorb“ ist übervoll.  Nichtdestotrotz ist es einfach fantastisch die Sonne auf ihrer Laufbahn zu beobachten, der Prozess in der arktischen Natur zu bewundern und mit dem richtigen Outfit wird so eine Entdeckungsreise wirklich lohnenswert. Meinen Geburtstag feiern wir am Rombergsfjord, das Meer lädt von der Farbe her ein zum Bade, die Wasser-Temperatur weniger. Wir finden ein windgeschütztes Plätzchen, träumen, plaudern, schmausen Pick-nick und sonnen unter der ewigen Sonne.  


 

In der Nacht vom 5. auf den 6.Juni wollten wir das Jahrhundertereignis der Venus beobachten und wir beide jagten durch die Nacht die ja keine mehr ist. Die Venus sehen wir nicht, zumal nicht so wie wir sie uns vorgestellt haben. Nur ein kleine Fleck von links oben, oder war das rechts unten?? Doch das „nächtliche“ Licht ist fantastisch erinnert etwas an den Moment wenn die Sonne im Herbst in der Schweiz unter geht. Warm, weich und angenehm, leuchtend und reflecktierend in den Blättern der Bäume.             
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