Ein grosser Traum - Eine Weltreise mit dem Velo

Auf dem Pamir(06.08.2011)

Land: Tajikistan/Kirgistan

Auf dem Pamir-Highway

Unsere Verdauung funktioniert wieder und der normale Appetit und die Kraft sind nach ein paar Tagen Schonkost und Ruhe wieder zurückgekehrt. Wir packen einiges mehr an Lebensmittel ein, Spaghetti, Reis, Trockenfrüchte, Nüsse und Haferflocken und mit einem frischen Brot vom „Guest-House“ im Rucksack verlassen wir Khorog in der frühen Morgenstunde. Leicht aufwärts geht es dem Fluss entlang, vorbei am Wasserkraftwerk und durch eine Galerie, die die Strasse vor Steinschlag schützt. Vor dem Check-point gibt es eine Tankstelle wo wir unsere Benzinkocher-Flasche auftanken. Dann geht’s auf Asphalt munter ins Grüne, wohlbelebte Tal hinein. Es ist noch früh am Morgen, trotzdem ist schon viel los auf der Strasse. Frauen und Männer warten auf den Mini-bus der sie auf den Bazar in Khorog bringt, Bündel mit frischen Kräutern, Körbe mit Gemüsesind bereitgestellt zum Transport in die Stadt. Kinder sind mit Schafen, Ziegen oder Rindvieh unterwegs auf die saftig, grünen Wiesen und überall blüht und gedeiht die Vegetation. Nach der kargen Region zwischen Kalaikhum und Khorog ist dies eine wahre Wohltat für alle Sinnesorgane.

Für uns ist es ein guter Start, freuen wir uns doch auf die luftigen Höhen, die Weite und die kühlere Luft in den Bergen und nach einiger Zeit im Sattel machen wir Znüni-Halt. Es gibt Cay, frisches Brot und Aprikosen. Frisch gestärkt will ich mich auf meinen „Sabaka“ schwingen, da schiesst mir die Hexe mitten ins Kreuz. Das war wohl etwas zu schwungvoll und mir wird vor Schmerz grad übel. Ich brauche eine Weile bis ich überhaupt vom Velo steigen kann und versuche danach alle erdenkliche Mobilisationsübungen und Entlastungs-Positionen. Der stechende Schmerz bleibt, doch nachdem Jörg mir mein Kreuz mit Tigerbalsam massiert hat denke ich, die Fahrt fortsetzen zu können. Es geht so- so- la- la, vorsichtig trete ich in die Pedale und versuche mich im unteren Rücken gut zu stabilisieren. Doch jeder kleine Anstieg, jeder Kraftstoss der Beine überträgt einen stechenden Schmerz in der Lende. Immer wieder halten wir an und beraten was wir tun können. Da stoppt ein Lastwagenfahrer und fragt was los sei und wohin wir fahren wollen? „Nach Murgab!“ obwohl ich das in dem Moment selbst nicht glaube. Der gute Mann bemerkt schnell meine verhaltenen Bewegungen und meine schräge Körperhaltung und meint mit einem wink zum Ladebrücke, wir sollen aufladen. Er bringe uns zur Thermalquelle wo ich im warmen Wasser ausruhen könne. „Thermalquelle!“. Oh ja das könnt mir gut tun, schnell lädt Jörg mit Hilfe zweier Passanten die Velos auf den Lastwagen und los geht’s mit rasanter Geschwindigkeit. Ich sitze auf der Rückbank und werde  so richtig von einer Seite zur anderen geschüttelt, schon will ich die Aktion abbrechen, aussteigen doch was sollen wir dann machen? Ich stütze mich so gut es geht damit die Schläge und Stösse erst von meinen Handgelenken gedämpft werden. Nach ungefähr einer Stunden Fahrt kommen wir zu einem verlassenen Haus, etwas abseits der Strasse steht ein Holzschuppen. Hier soll ich mich ins Wasserlegen meint unser Chauffeur und zeigt Richtung Schuppen. Ein anderer Mann kommt aus dem Haus geeilt und marschiert mit einem Schlüssel zum Schuppen, öffnet die Tür und tatsächlich, ein Pool ca. 3x3Meter mit 37°warmen, klarem Thermalwasser drin. Ein Watsu-pool auf 3600 M.ü.M! Wau, so schnell es mein lädierter Rücken erlaubt ziehe ich mich aus und steige in das Bad. Schnell spüre ich eine wohltuende Entspannung, gebe das Gewicht meines Körpers dem Wasser hin und floate sanft auf der Wasseroberfläche. Nach einigen Dehn-Stretch-und Atemübungen fühle ich meine Lende wieder beweglich und der Schmerz ist nicht mehr so stark. Jörgliegt Mittlerweilen auch im Wasser und relaxt auch seine schweren Beinmuskeln.

Später essen wir hausgemachtes Joghurt, kriegen frisches Brot und Cay im Haus serviert. Unser Gastgeber, eine Tajik-Grossfamilie sind froh dass mir das Wasser so schnell geholfen hat und ich natürlich auch.

Frisch gestärkt und ausgeruht geht’s dann an den ersten Anstieg, den 4272Meter hohen Koy-Tezek Pass. Auf staubigem Waschbrett-Geholper kurbeln wir die Serpentiner- Kurven hoch, schwitzen und pusten wie alte Esel. Doch die Aussicht auf dem Dach der Tajikischen Bergwelt ist phänomenal, leise singt der Wind sein Lied und weit und breit kein Mensch zusehen. Etwas rauf und runter geht es für uns nur ganz langsam vorwärts. Doch nach einiger Zeit, genau nach dem Tagarkaki Pass auf 4180 Meter holpern wir der rauen Piste Richtung Osten. Ungefähr nach 20Km wird die Strasse wieder asphaltiert und schon bald bekommen wir denSassyk-Kul, ein stahlblauer Salzsee zu Gesicht. Idealer kann der heutige Ruheplatz nicht sein, trotz dem starken Wind steht unser Zelt bald und in der Pfanne blubbert eine deftige Hafersuppe.

Der folgende Tag ist gemütliches „velölä“ denn der Wind bläst uns ganz kräftig in den Rücken und puscht uns über die Strasse. Ich komme mir vor wie auf einem 30-erMoped, mein Velo fährt ja heute von selbst, nur gelegentlich trete ich in die Pedale und eine der fantastischen Bergkulisse zieht an mir vorbei. In Alichur kriegen wir in der traditionellen Yurt „two cup`s of Tea“serviert und füllen danach am Bach unseren Wasservorrat auf.Immer wieder sehen wir Yurten in der Weite des Tales und Yak-und Schafherden ziehen über das Land. Kinder springen uns entgegen, winken und begrüssen uns und schlendern danach freudestrahlend wieder nach Hause zurück. Das einzigartige Naturwunder und die Menschen aufdem 80Km langenWeg bringen uns immer wieder zum Anhalten, Innehalten und Staunen.In den schönsten Naturfarben stehen die majestätischen Berge, alle um die 4-5000 Meter hoch am Strassenrand, kein Künstler könnte so etwas prachtvolles Vollbringen wie uns hier Mutter Erde präsentiert. Unser Nachtlager steht heute zwischen den ziegelroten Felsen eingebettet, windgeschützt auf dem Nayzatsh Pass. Der faszinierende Sternenhimmel rundet den heutigen Traumtag ab und der Sichelmond schickt sanftes Licht auf unser Zelt.

Nur noch 50Km trennen uns vom nächsten Dorf, Murgab ein ganz besonderer Augenblick ist es für uns, nach einigen Tagen in der trockenen Bergwelt in das grüne Flussdelta zu schauen.Hier treffen wir auf Thomas und Heiko, zwei muntere Motorradfahrer aus Deutschland.Wir verabreden uns auf später im Aypiri Guest-House und die beiden brausen davon.

In Murgab gibt es verschiedene Gästehäuser wie z.B. das Aypiri, tajikisch/kirgisische Familien öffnen ihr Haus und bieten Reisenden für wenig Geld reichhaltiges Essen, eine Dusche und ein Bett an.Die Häuser sind einfach, tajikische Toilette und ein separater Raum zum sich waschen. Das warme Wasser wird mit Feuer aufgeheizt, verbrannt wird so ziemlich alles. Der Bazar im Dorf ist sehr originell, ausrangierte Lastwagenkontainer stehen mit allerlei Sachen bereit und geben uns die Möglichkeit unser Reiseproviant für die nächsten paar Tage aufzustocken. Hier beobachten wir das Einheimische mehr Kirgisischer Herkunft sind, ganz deutlich zu sehen an der dunklen Hautfarbe, dem mehr und mehr asiatischem Gesichtsausdruck und den lustigen Hüte.

Wir machen uns nach einem Ruhetag wie der auf und rollen über die flache Strasse dem Akbaytal Fluss entlang. Ringsum zieren sich rote Felsen mit verschneiten Gipfeln und die Sonne lacht vom blauen Himmel. Mit dem Postkartenwetter ist`s aber bald Schluss, kaum um die Ecke gebogen bläst uns ein kalter Wind um die Ohren und vor uns breitet sich eine schwarze Wand aus. Es dauert nicht lange da werden wir mit Eisregen bombardiert, das vorwärtskommen ist mühsam denn der Wind frischt immer mehr in Böen auf. Nach einer halben Stunde ist der Spuck plötzlich vorbei, Kappe, Handschuhe und Regenjacken verschwinden wieder in den Taschen und die Postkarten-Kulisse eröffnet sich wieder. WohlgenährteMurmeltiere springen über die Strasse oder sonnen sich auf einem Stein und pfeifen Alarm sobald sie uns sichten. Wir strampeln auf rund 4000Meter hoch und beschliessen dann, dass wir uns an die Höhe gewöhnen zu können besser vor dem Pass übernachten sollen. Schliesslich gilt es Morgen den 4655 Meter hohen Akbaytal Pass zu überqueren und seit Peru im Jahre 2007 waren wir nicht mehr so hoch oben.

Ich erwache und höre ein leises Rieseln auf dem Zeltdach, Regentropfen sind lauter, Heuschrecken können es auf dieser Höhe kaum sein, was zum Teufel ist das?, denke ich und ziehe mir eine Jacke an. Beim Öffnen des Reisverschlusses glaube ich erst zu träumen, Schnee, Schnee auf den Velos, Schnee auf dem Zelt, alles weiss um uns herum. Statt Murmeltiere, Gras und Blümchen dicke Flocken die vom Himmel schweben und die Sicht total verschleiern. Jörg brummt etwas in seinem Schlafsack und mummt sich nochmals ein. Einige Zeit später klart sich der Himmel auf, die Sicht auf frisch überzuckerte Berge lockt mich aus dem Zelt. Und wir werden wirklich belohnt, es ist ein besonderer Reiz die sonst rot- braunen Berge mit einem Schnee-Schäumchen zu sehen und bald sitzen wir im Sattel und strampeln auf guter Strasse RichtungPass. 3 Kilometer vor der Passhöhe verschwindet aber der Asphalt und der Weg schlängelt sich mit bis zu 18% Steigung den Hang hinauf. Wir beide müssen schnaufen und keuchen wie alte Militär-Jeeps, an manchen Stellen muss ich mein Velo schieben weil der Belag sandig-lose ist. Oben angekommen ist mir, trotz der Schufterei  so kalt dass ich kaum den Reissverschluss meiner Jacke zuziehen kann. Jörg schiesst noch schnell ein Gipfelfoto, während ich schon auf der Schotterpiste hinunter holpere.“ Ich wart dänn wänn`s wieder wärmer isch!“ rufe ich ihm zu und konzentrier mich auf die Löcher, Wellblech, Rillen, ausgewaschene Stellen und anderen Herausforderungen auf dem Weg. Durch ein kahles Schottertal führt der Holperweg vorbei an majestätischen Bergriesen, w.z.B.pik Gipsovyy 5831MüM oder der grosse Unbekannte mit 6128 Meter, heute alle mit weisser Schneekappe. Nach ca. 20km werden wir mit asphaltierter Strasse beschenkt, nach einiger Zeit Durchschütteln ist das ein willkommenes Geschenk. Doch mit dem Asphalt kommt bald ein zünftiger Gegenwind vom Karakul- See her, zeitweise bremst er uns bis auf 6Km/h hinunter.Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Kalakol am tief blauen Salzsee. Die Ortschaft liegt auf knapp 4000Meter, der Wind weht den Staub zwischen den wenigen Lehmsteinhäuschen herum, das Dorf wirkt wie ausgestorben, weit und breit keine Menschenseele und wir beide sind nach 80 Km Fahrt total geschafft. Der Schnee am Morgen auf dem Zelt, der schwierige Aufstieg bis auf 4655Meter, die Holperpiste übler Sorte und zum Schluss noch der gemeine Gegenwind hat uns heute so richtig weich gekriegt. Wir biegen links vom Pamir-Highway ab und quartieren uns im gemütlichen, warmen Gästehaus „Sadat“ein. Zum Abendessen gibt es für uns frischgekochten Plov und zwei grosse Blechkannen Cay, danach fallen wir beide in einen Tiefschlaf. Ein wunderprächtiges Bergpanorama um den stahlblauen Karakol-See empfängt uns am anderen Morgen, der Kontrast der braunen Erde, dem tiefen Blau des Meteoriten-Sees und die frischeverschneiten Berge ringsum lassen unsere Foto-Kamera mehrmals klicken. Uns dünkt es kalt hier oben, der Wind bläst eisigkalte Luft von den umliegenden Bergen trotzdem dass es Ende Juli ist. Unsere Schlummermutter eröffnet uns, dass es im Januar/Februarin Karakul bis -40° kalt wird und weit und breit kein Holz zum Heizen!! Strom ist hier ein Fremdwort und jeder Tropfen Wasser muss zuerst am Dorfbrunnen gepumpt werden. Auch hier werdenim Sommer und Herbst gezwungenermassen Yak- und Schafmist gesammelt und an der Sonne getrocknet um im eisigen Winter wenigstens eine warme Mahlzeit oder ein Cay zubereiten zu können. Dann spielt sich das Leben der Tajiken und Kirgisen in der Mitte des Hauses, der Küche ab. Der kleine, meist vom Rauch geschwärzte Raum wird zum Kochen, Essen, Spielen, Arbeiten, Schlafen und Beisammensein gebraucht. Abseits des kleinen Lehmhauses steht ein Bretterverschlag, das Plumpsklo, und um eine Dusche zu haben braucht es Voranmeldung. Das Wasser muss erst am Brunnen geholt, dann mit verbrennen von Mist aufgeheizt werden und dann ist die „Tajik- Dusha“ bereit. Im kleinen Baderaum gibt es einen Topf mit heissem Wasser auf dem Ofen und daneben einen mit Kaltem, beide zusammen man in einer Schüssel mischen tut und dann Holzkelle für Holzkelle über sich giesst. Während wir uns den Staub von den Rippen schruppen backt die Frau des Hauses feine Somsa in der Küche.Die ganze Familie ist beschäftigt und bemüht uns den Aufenthalt in ihrem Haus so angenehm wie möglich zu machen, eine Übernachtung mit reichhaltigem Frühstück/Abendessen und Dusche kostet 15 SFr/Person.

Gestärkt für den letzten Teil des Pamir-Highways machen wir uns früh am Morgen auf den Weg.Entlang dem stahlblauen Karakul geht’s erst mit moderater Steigung aufwärts, dann zwei steile Anstiege und schon haben wir den ersten Pass mit 4232 Metern geschafft. Nochmals halten wir an und blicken über das herrliche Panorama, die wunderschönen Farben, blau, braun, rot, grau in verschiedenen Nuancen und die Weite des Tales. Dann ziehen wir uns nochmals eine Schicht Kleider über, es wird immer kälter hier oben und der Wind fegt uns beinahe von der Strasse. Durch das weite Hochtal geht es, trotzdem dass es bergabwärts geht nur langsam voran, der starke Gegenwind nimmt uns jeglichen Schwung und wir strampeln wie verrückt. In der kommenden Stunde nimmt der Wind noch an Stärke zu, die Strasse verwandelt sich zu sandiger Wellblech-Piste und es geht nochmals steil aufwärts auf 4336 Meter. Nicht nur vor lauter Staunen über die Farben bleibt mir der Atem weg, nein die Höhe macht mir heute enorm zu schaffen. Immer wieder muss ich anhalten und mein Organismus pumpt noch einige Minuten lang schwer keuchend. Ich lasse mir aber Zeit und vor lauter Staunen über die nun feuerrote Bergwelt vergesse ich fast mich fortzu bewegen.Bin in einer anderen Welt angekommen und freue mich über die fantastisch wilde Umgebung. Jörg kommt mir ab und zu entgegen und hilft mir mein Velo die Piste zum Grenzposten hoch zu schieben. Mit uns sind noch drei weitere Velofahrer unterwegs, es scheint aber als hätten die drei eine Wette abgeschlossen wer zuerst in Kirgistan eintrifft. Den vordersten, ein junger Engländer sehen wir nur von Hinten, Paul der fliegende Holländer springt mit seinem Velo über die Grenze als ob er auf der Flucht wäre, nur Martin, der gemütliche Deutsche gesellt sich zu uns.Zu dritt passieren wir den Tajikischen Zoll und machen uns dann auf die lange holperige Abfahrt vom Kyzyl Art Pass zur kirgisischen Grenze. Eine wahre Freude ist es die grünen saftigen Wiesen, den munteren kristallklaren Bergbach und die Gletscher zwischen den roten Fels zu entdecken. Nach jeder Kurve eröffnet sich ein neuer, spektakulärer Natur-Anblick. Kurz vor Feierabend erreichen wir das Zollgebäude, die Abwicklung der Formalitäten ist dementsprechend unkompliziert und schnell abgewickelt. „Welcome in Kyrgistan“ brummt der Zöllner und winkt uns freundlich vorbei. Jörg und ich sind hungrig, müde und deshalb steht unser Zelt heute nur einige hundert Meter nach der Grenze auf Kirgisischem Boden. Es gibt Gus-Gusund während wir essen kriegen wir so einigen Besuch, 5 Pferde, 16 Schafe, 4  Kinder von der Yurt nebenan, zwei Grenzbeamte und ein Murmeltier schaut vom Hügel hinunter auf unser Nachtlager und pfeift durch die Abendruhe. Von unserem Platz aus können wir die schneebedeckte Pamir-Bergkette nochmals bewundern, wunderschön im Abendlichtglanz des Schnees und Eises.

Am Morgen ist es, vorbei an Yurten und winkenden Kindern nur ein Katzensprung nach Sary-Tash. Hier kaufen wir ein Glace, Fanta, Tomaten, Gurken und Brot, oh was für ein Luxus und setzen uns damit ausserhalb des Dorfes zum Pick-Nick an einen Bach. Hinter uns nochmals die grandiose Pamir Kulisse, trotzdem dass es auf dem Dach der Welt wunderschön war, sind wir beide froh, diese Strapaze hinter uns zu haben.

Noch 2 x Hochkurbeln müssen wir bevor wir die erste Stadt in Kirgistan erreichen. Die Strasse auf den ersten Pass, 3615 Meter hoch ist z.Z. noch im Bau, eine staubige Angelegenheit erwartet uns dort deshalb. Die Steigung ist von der Seite wo wir herkommen glücklicherweise moderat und schon nach kurzer Zeit stehen wir auf dem höchsten Punkt des Taldyk Passes. Die Kinder aus der benachbarten Yurt winken uns zu und verkaufen uns eine Flasche frischen Kefir. Mit der Erfrischung im Bauch geht’s dann ziemlich heftig hinunter in ein immer schmaler werdendes Tal. Es herrscht reger Bauverkehr, Lastwagen donnern über den Schotter und nebeln uns dabei jedes Mal in eine graue Staubwolke ein. Jörg hat bald die Nase voll, im wahrsten Sinne des Wortes und biegt nach links in ein kleines Seitental ab. Hier ist es ruhig, nur ein paar Pferde grasen am Bach entlang, die Luft ist klar und bald duftet Jorges Tomatensauce aus der Campingküche. Am anderen Tag werden wir dann mit neuasphaltierter, abwärtsverlaufender Strasse verwöhnt, Flüsterasphalt heisst das in der Veloreisesprache. Eine wahre Freude für die Ohren, die Arme und natürlich auch die Beine, die heute nur ab und zu strampeln tun. Im Laufe des Nachmittags kommen wir nach Gülchö der letzten grossen Ortschaft vor Osch. Boxenstopp an der Kreuzung, zwei Liter kühle Getränke verschwinden in unseren Kehlen denn hier ist es wieder richtig heiss. Da wir beide nicht in der Hitze übernachten mögen beschliessen wir noch einige Höhenmeter vom letzten Pass zu fahren um uns dort in der kühleren Bergluft ein Quartier zu suchen. Nochmals geht es steil bergaufwärts aber wir haben noch Kraft in den Beinen und schaffen es vor Sonnenuntergang noch nachTash-Koroo einem kleinen Bergdorf an der M41. Ausserhalb der Gemeinde steht unser Zelt an diesem Abend, inmitten duftender Heublumen und einer tollen Aussicht auf die vom Abendlicht strahlenden Berge der Alau Range. Nur noch 3 langgezogene Kurven und wenige Höhenmeter gilt es am Tag danach zu kurbeln, oben angekommen werden wir von den Nomaden mit Cay und Kefir in ihrer Yurtfreundlich empfangen. Nach dem zweiten Frühstück sausen wir mit viel Schuss hinunter, erst durch hügeliges Weideland, dann an Früchte- und Gemüseplantagen vorbei bis wir dann im staubig-heissen und lärmigen Osch angekommen sind. Im Guest-House Bailar finden wir ein ruhiges Zimmer mit Dusche/WC und Frühstück für umgerechnet 20Sfr. Wir fühlen uns eigentlich wohl in der Kirgisisch/Usbekischen Grenzstadt obwohl sie im vergangenen Jahr internationale Aufmerksamkeit auf sich zog. In Osch leben 80% Usbeken und 20% Kirgisen da dieser Fleck Erde vor der Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu Usbekistan gehörte. Stalin hat in den 30 Jahren nach Belieben die Grenzen gezogen, natürlich ohne Rücksicht auf Nationalität, Herkunft und Wünsche der Menschen die hier leben. Auch heute noch spürt selbst ein Tourist die Spannung zwischen Kirgisen und Usbeken, man kann immer wieder niedergebrannte Häuser und demolierte Strassenschilder, Schaufenster und Autos sehen. Die Usbeken gelten als fleissige und geschäftstüchtige Leute, aus Neid von Kirgisischer Seite wird leider immer mehr Druck auf die usbekische Bevölkerung ausgeübt, die Korruption blüht und eine brutale Kriminalität steigt stetig an. Wir lernen Erna, eine fröhliche Schweizerin kennen, seit 15Jahren unterrichtet sie Englisch in verschiedenen Schulen im Uygurischen Sprachraum, Kashgar, Hotan und Osch. Seit einigen Monaten betreibt sie zusammen mit einem anderen Schweizer Geschäftspartner das NTE-Touristen-Reisebüro in Osch.www.ntetravel.net

Sie gibt uns viele nützliche Informationen über Kirgistan, Sicherheit, Strassenzustände und geschlossene Grenzübergänge und sie weiss auch spannende Geschichten zu erzählen. Wir hören der sympathischen Powerfrau bei einem Cay gerne zu. Manche der Geschichten sind sehr rührend und spiegeln die Herzlichkeit der Menschen hier in Uygurien, andere dafür sind besorgniserregend und stimmen uns traurig. Mir scheint mehr und mehr das da in Osch bewusst kein Friede sein darf.Die Menschen vor lauter Hass und Neid auf den Nächsten keinen Schritt weiter kommen oder immer wieder von neuem beginnen müssen, und der grosse Dritte lacht sich ins Fäustchen!

Hier in Osch trifft sich Backpacker und Velofahrer wieder, das Pamir-Rennen ist vorbei, gespachtelt wird alles Mögliche Westliche, es gibt wieder Toiletten mit Spülung und echte Duschen. In den Touristenrestaurants und Guest-house werden Erfahrungen und Erlebnissen ausgetauscht und weitere abenteuerliche Pläne geschmiedet.

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