Ein grosser Traum - Eine Weltreise mit dem Velo

Zentralasiatische Schweiz(26.08.2011)

Land: Kirgistan/Zentralasien

 

Die zentralasiatische Schweiz /Kirgistan
Bei der Ausfahrt von Osch sehen wir nochmals die Spuren der brutalen Aufstände vom vergangenen Jahr. Niedergebrannte Häuser, die Fassaden sind noch vom Rauch geschwärzt, eingedrückte Zäune, demoliertes Baumaterial und vor jedem der Häuser einen Haufen Bausteine, wohl für die Wiederherstellung. Doch die Usbeken haben bereits auf der anderen Seite der Stadt ihre Häuser aufgestellt, es sind grosse, stattliche Bauten, die einen schon einzugsbereit, die anderen noch in der Bauphase. Der Himmel ist heute etwas bedeckt was uns beiden gerade gelegen kommt. So brennt die Sonne nicht so intensiv und wir kommen ganz schnell voran. Da wir kein gültiges Visum mehr für Usbekistan haben müssen wir so einige Schlaufen ziehen oder Umwege fahren um nicht in eine der Usbekischen Enklaven zu geraten. Gegen Mittag durchqueren wir trotzdem schon Özgön wo wir auf dem Markt unser Mittagessen posten. Mit einer Riesenmelone geht’s nun weiter durch die hügelige Landschaft, golden scheint das dürre Gras, die Kornfelder sind bereits gedroschen und liegen nun brach. Jetzt strampeln wir in der sengenden Hitze, die Sonne hat die Wolken vertrieben und wir kurbeln die Strasse hoch und schwitzen mal wieder bei über 40°. Vor Jalal-Abad werden wir von einem kirgisischen Autofahrer zum Wodka eingeladen, wir aber bestellen um auf eine Flasche kühles Fanta. Unser Spender willigt sogar ein nachdem wir ihm mit Händen und Füssen erklärt haben dass wir bei der Hitze keinen Alkohol trinken können, dass wir nach einem Glas Alkohol bei diesen Temperaturen schon flach liegen würden. Später am Abend treffen wir in einem Gästehaus in Jalal-Abad ein, das grosse rostige Tor geht nach unserem Anklopfen auf und was sehen wir da? Zwei uns wohl bekannte Velos mit Anhänger!! Nicole und Nik die wir schon in Tajikistan getroffen und danach auch in Osh wiedergesehen haben sind noch hier. Leider geht es Nicole nicht so gut, der schnelle Wechsel vom der Kälte auf dem Pamir in die Hitze in der Flachen Gegend hat ihr auf die Bronchien geschlagen und ein zäher Husten plagt sie. Unsere Wiedersehensfreude ist trotzdem gross und wir geniessen die Gesellschaft der beiden Churer nochmals. Unsere Home-stay „Mamita“ ist zwar etwas wortkarg und ihr Gesicht wirkt auf mich eher mürrisch, doch wir sind froh um eine Dusche und ihr Frühstück, Spiegeleier und Jogurt ist auch nicht zu verachten.
Nun gilt es endgültig Abschied zu nehmen von den Beiden, wir strampeln auf der asphaltierten Strasse M41 Richtung Bishkek, unsere Bündner- Freunde auf der holperigen Piste Richtung Kazarman. Jörg hat nun endgültig genug von löchrigen Staubstrassen und ich meine, wenn er längere Zeit auf Wellblech-Strasse fahren muss, so wird er sogar richtig aggressiv. Deshalb lassen wir das bleiben und strampeln schön gemütlich der Usbekisch-Kirgisischen Grenze entlang. Es ist fruchtbares Land, Tomaten, Paprika, Obstplantagen, Baumwolle, Kartoffeln und Maisfelder wechseln sich ab.
Rücksichtslose Autofahrer
An diesem Tag bestätigt sich das Gerücht das die Kirgisen furchtbare Autofahrer sind. Hier lernt man nämlich nicht Autofahren bei einem Fahrlehrer oder einer anderen Verkehrskundigen Person, nein! in Kirgistan kauft man sich eine Lizenz zum Steuern. Schwarze, hochglanzpolierte Mercedes, moderne, schicke Audis und VW schiessen an mir vorbei wie Kugeln aus dem Kanonenrohr. Manövrieren ist nicht ihre Stärke, halsbrecherische Überholmanöver und unlogisches Lenken und Kurven schneiden sind an der Tagesordnung. Und dazu kommt noch, dass die Kirgisen sehr gerne Wodka und Bier trinken. Man sieht oft die Strassenränder von leeren Wodkaflaschen übersäht und ab und zu einen Chauffeur schwanken auf sein Fahrzeug zugehen und den Motor starten! Zum Glück haben wir Rückspiegel an unseren Velos, ein Auge überwacht stets den rückwärtigen Verkehr, das andere blickt nach vorn. So sind wir gewappnet auf die nächste „Wodka-PS- Attacke“ hupend und nicht selten johlend und ziemlich knapp werden wir von den Kirgisen überholt, sodass wir ab und zu freiwillig von der Strasse weichen. Ach, hier würde ich gern Verkehrs-Polizist sein!! Bei der Übergabe des Autos oder beim Fahrzeugkauf wird wohl nur die Hupe und das Gaspedal erklärt. Ja im besten Fall noch, dass man bei der Ampel bei Rot stoppen und bei Grün fahren darf, aber selbst dies ist hier nicht ganz so klar.
Im Laufe des Tages nimmt glücklicherweise die Dichte des Verkehrs ab, es sind zwar immer noch rücksichtslose Fahrer unterwegs, aber gottlob nicht mehr so viele. Unser Zelt steht heute nach 130Km am Köry-Säry Canyon mit Blick auf den türkisblauen Fluss und das gegenüberliegende Dorf Tash-Kömür.
Erst hindert uns das Hundegebell im Dorf vor einem tiefen Schlaf, danach geht’s los mit dem „Kikeriki“ der Güggel am anderen Ufer des Flusses. Frühmorgens sind wir deshalb wieder auf dem Velo und radeln dem Fluss und danach dem Stausee entlang. Trotzdem dass wir ca. 700 Meter hoch sind ist es schon am Morgen drückend heiss, die Strasse schlängelt sich dem See entlang und zieht immer wieder mal über einen steilen Hügel. In Kara-Köl trinken wir beide zusammen 5 Liter kühles „Blöterliwasser“ und strampeln dann in der Abendsonne durch die grüne Landschaft. Das Tal wird immer enger und wir sind auf der Suche nach unseren Schlafplatz. Viel Schotter und Kies hat der Fluss in den vergangenen Jahren mit sich gebracht und so das Ufer zu einer unwegsamen Geröllhalde gemacht. Auch der Himmel hat sich Mittlerweilen mit schwarzen Gewitterwolken überzogen und ein starker Wind bläst durch die Schlucht. Wir fragen deshalb bei einem Restaurant mit grossem Garten ob wir eventuell in einer „Tampcha“ schlafen könnten. (Bettähnliche Liege mit Dach) „Da, da niet problem“ sagt uns die junge Frau zu und serviert uns gleich Cay und frisches Brot. Wir hören in der Nacht die Regentropfen auf das Blechdach hämmern, wir aber schlafen herrlich im Trockenen.
Ziemlich kurbeln müssen wir am anderen Tag, erst geht es über einen Pass zum Toktogul, dann um den Stausee herum, steil aufwärts und sofort wieder hinunter damit die „Kurblerei“ von neuem beginnen kann. Der Hitze und den fast unendlichen Höhenmetern gesellt sich im Laufe des Tages auch noch ein ziemlich gemeiner Gegenwind sodass wir nach ungefähr 60 Km genug von der Stramplerei haben und uns einen schönen Platz mit Blick auf den See suchen. Im Sonnenuntergangslicht sieht die Umgebung noch bezaubernder aus, der See schimmert golden, die Berge feuerrot, ja fast so wie der Ayers-Rock im Out-back von Australien.
Like Switzerland
Genau gegenüber sind wir gestern hinunter zum See gesaust, dann einen Tag um den türkisfarbenen Stausee gekurvt und nun werfen wir einen letzten Blick in den Rückspiegel bevor der See verschwindet. Wir biegen in ein grünes Seitental, folgen dem klaren Che-chekan Fluss und freuen uns an der moderaten Steigung und dem Flüsterasphalt. Immer weiter hinein gelangen wir und im enger werdenden Tal ist es schon schattig. Ein angenehmer Wind trocknet uns währenddessen die Schweissperlen auf der Haut. Auf einer Pick-Nick Wiese am sprudelnden Bergbach stellen wir unser Zelt auf und kriegen von unseren Nachbarn Plov, frisches Brot und Melonen serviert. Die kirgisische Grossfamilie ist zum Pick-nick von Toktogul hier hergefahren und ist nun am zusammen packen. Wir winken den zwei übervollen Autos nach und speisen zufrieden unseren offerierten feinen Znacht.
Anfänglich noch immer mit moderater Steigung strampeln wir durch das saftig-grüne Tal, Kühe, Pferde, Schafe und Esel weiden auf den Matten, ab und dann kommen wir durch ein Stück Wald, sogar Nadelbäume hat es hier. In den Lichtungen erhaschen wir immer wieder tolle Sicht auf verschneite Gipfel, die uns an unsere Heimat erinnern. Nicht umsonst wird Kirgistan auch die zentralasiatische Schweiz genannt. Die saftigen Wiesen mit vielerlei Blumen erinnern mich an eine echte Riccola-Kräuterwiese. Hier scheint auch die echte Honigstrasse zu sein, die Bienen summen leise und packen sich voll mit Blütenstaub und Nektar von den zahlreichen Wiesenblumen. Viele Kirgisen haben in diesem Tal ein einfaches Weekend-Häuschen, einen alten Bauwagen oder nur ein Zelt aufgeschlagen und verkaufen den Honig in grossen Pet-Flaschen an der Strasse. Uns ist dieser aber zu süss, wir verlieren täglich viel Salz durchs Schwitzen und hätten demzufolge lieber etwas würzig-salziges im Bauch. Nach einem Shashlik, saurem Kefir und einer Suppe in der Yurt geht’s dann weiter bergaufwärts. Nun nimmt aber die Steigung merklich zu und bis zum Schluss wird es richtig steil. Wir sind müde und die Kraft in meinen Beinen lässt nach, doch es fehlen immer noch 600 Höhenmeter und die Passhöhe ist noch nirgends zu sehen. Da höre ich hinter mir das Ächzen eines Lastwagens der scheinbar dieselbe Mühe hat wie ich. Ich lass das Vehikel näher kommen und hänge mich dann, als dieser mich im Kriechgang überholt hinten an den Anhänger an. Jörg tut dasselbe auf der linken Seite und so klettern wir doch einige Kilometer ohne unsere Pedalen zu drücken. So ganz ohne Anstrengung ist dies leider auch nicht, die ganze Spannung liegt nun in meinem linken Arm und ich bin enorm froh als ich spüre dass es flacher wird, der Zug am Arm nachlässt und wir die „Ala Bel“- Passhöhe erreicht haben. Wir winken dem Chauffeur dankend nach, der drückt einmal auf die Hupe und winkt freundlich aus der Fahrerkabine. Nun sind wir auf 3100 Meter, idyllisch zwischen Pferden, Kühen, Schafen und Yurten steht unser Nachtlager und ich sitze vor dem Zelt und lasse die malerische Berglandschaft auf mich wirken. Die Sonne verabschiedet sich mit einem goldenen Schein und langsam übernimmt der Mond, der heute ganz voll ist die Wache für diese unbeschreiblich schöne und harmonische Welt.
Fermentierte Stutenmilch
Mit ziemlich viel Schuss geht’s dann am Morgen über die Hochebene, vorbei an unzählbaren Yurten, noch mehr Pferden, Eseln, Schafen und Kühen die hier oben den Sommer verbringen dürfen. Beim ersten Hinsehen ist es eine wahre Idylle, doch das Nomaden-Leben der Kirgisen ist streng und fordert die Mithilfe aller Familien-Mitgliedern. Schon die kleinen Buben sitzen sicher im Pferdesattel, treiben die Herde zusammen und bringen diese am Abend sicher zur Yurt zurück. Vom Vater gelernt sind sie flink im Umgang mit den Tieren und demonstrieren uns ab und dann auch kleine Kunststücke auf dem Pferderücken. Die Mädchen helfen schon von frühem Kindesalter der Mutter beim zubereiten der Malzeiten, Wäsche waschen und versorgen der Kleintieren. Es gibt mehr Pferde als Menschen auf der Suusamyr-Ebene, dies bestätigt der heutige Tag denn immer wieder sehen wir viele elegante Tiere über die grüne Wiese galoppieren oder sie begrüssen uns neugierig am Strassenrand. Pro Yurt-familie sind es an die 30 Pferde und Fohlen, unzählbar viele Schafe und einige Rinder mit Kälbern. Was machen mit der vielen Milch die die Tiere tagtäglich geben? Über die Mittagszeit steigt das Thermometer gerne mal auf 30-35° an und ohne Kühlschrank passiert es schnell dass die Milch sauer wird. Die Stutenmilch wird in grossen ledernen Säcken aufbewahrt und alle paar Stunden kräftig gerührt. Das die Milch sauer wird ist kein Grund für die Kirgisen diese nicht mehr zu trinken. Nein, fermentierte Stutenmilch, „Kymys“ genannt gilt hier als Delikatesse und ist nebst Schaffleisch und Brot ein Grundnahrungsmittel. Wir haben diesen Kymys versucht, aber für unseren Europäischen Geschmacksinn schmeckt die Flüssigkeit schlichtweg scheusslich und verursacht Turbulenzen in der Magen-Darmgegend.
War es der Kymys oder das Shashlik, das Wasser oder doch sogar dieser saure Kefir? Jedenfalls springen wir beide tagsdarauf wieder mit der WC-Papierrolle um die Wette, treten kraftlos in die Pedalen und gurgeln den ganzen Tag Coca-Cola. Bevor die nächste Steigung auf den 3500 Meter hohen Pass vor Bishkek los geht biegen wir nach rechts auf eine Staubpiste ein. Es holpert und poltert und jedes Mal wenn uns so ein rücksichtsloser Kirgisischer Chauffeur überholt sehen wir einander vor lauter Staub nicht mehr. Natürlich gibt’s bei solchen unliebsamen Strassenbedingungen auch noch einen Platten zum Flicken. Im Dorf Suusamyr, nur nach wenigen Kilometern sehen wir aus wie Greise. Kein Wunder dass uns niemand im Dorf verraten will ob es hier ein Gästehaus mit Dusche oder Waschgelegenheit gibt und wir weiter fahren. Ausserhalb des Dorfes lassen wir uns am Fluss nieder, essen Spaghetti und waschen uns im eiskalten Wasser den Staub von der Haut. Auf holperiger Strasse geht’s dann am Morgen gleich weiter, doch es geht dem Suusamyr-Flusslauf entlang, ohne viel pedalen kommen wir schnell in Chaek an. Unterwegs treffen wir mal wieder auf Velofahrer mit „Schwiizerchrüzli“, Sylvie und Quentin aus der Westschweiz treffen wir zum 4.Mal innerhalb ein paar Wochen und geniessen das Austauschen von unseren Erlebnissen. Beim Nudel-Kartoffel-Fleisch Eintopf plaudern wir über dies und das und gehen erst spät in der Nacht schlafen. Demzufolge starten wir am Morgen verspätet, die Sonne brennt schon stark vom Himmel und wir „schleichen“, so gut es geht dem Schatten nach. Unsere Strassenkarte von Zentralasien (Reise-know-how) hat uns in den vergangenen zwei Monaten schon oft Kopfzerbrechen gemacht, die Kilometeranzahl stimmt nie, der Strassenverlauf ist oft falsch und wissenswertes fehlt einfach auf dem Papier. Zusammen mit Quentins GPS finden wir aber das verschlafene Dorf Kyzart von wo aus wir am kommenden Tag zum Song-kul aufsteigen möchten.
Huara Murgs
Unser Gastgeber zeichnet uns vor unserer Abreise einen Plan mit dem wir den See finden sollten. Andere Einheimische schicken uns aber in alle möglichen anderen Richtungen, sodass wir erst eine 10 Km lange Rundfahrt machen bevor wir das Dorf verlassen. Erst geht anfänglich gemütlich auf einem Feldweg in das Seitental hinein, über einen Fluss an Lehmhäusern vorbei und überladene Heuwagen kommen des Weges. Dann steigt der Weg steil an, grosse Steine liegen im Weg und erschweren uns das Vorwärtskommen. Für mich heisst es schieben, schieben, schieben und bald auch für Jörg und unsere Freunde. Bis zum Abend schaffen wir gerade mal 26 Km mit bis zu 26% Steigung auf Feld-und Wiesenterrain. Müde und komplett ausgelaugt mit schweren Armen und Beinen stellen wir das Zelt auf und sehen, während des Abendessens einem weiteren Tag mit schwierigem Aufstieg entgegen. Unsere Velos mussten wir heute schon zu zweit schieben, ich vorne beim Lenker, Jörg hinten am Gepäcksträger, „eifach ä huara Murgs!!“ Wie weit es noch ist bis zur Passhöhe wissen wir trotz Quentins GPS und diversem Kartenmaterial nicht, doch irgendwie werden wir es schon schaffen.
Um die Mittagszeit am anderen Tag, nach weiteren 2 Stunden schieben und murgsen stehen wir dann tatsächlich mit allen 4 Velos auf dem 3300 Meter hohen Pass, haben den 10 Km langen Wanderweg mit unseren schwerbeladenen „Burros““ geschafft und sehen freudig den vielbesagten Song-kul vor uns.
Hinunter auf die grosse Hochebene rollt es dann schon besser, Pferde, Schafe und Rinderherden teilen mit uns den Weg bis zum Seeufer zum Wasser trinken. Es ist eine wunderbar intakte Natur hier oben und der Murgs ist schnell vergessen. Man sieht nur ganz selten Menschen und die wenigen Familien mit Kindern wohnen im Sommer in den Yurt. Die Yurt, ein rundes Zelt aus gefilzter Wolle und Holzpfählen gebaut schützt die Nomaden vor Wind, Kälte und der intensiven Sonneneinstrahlung. Wir dürfen Gast sein bei einer der Nomadenfamilie, teilen zusammen mit Sylvie, Quentin und ein paar frechen Mäusen die Yurt neben dem Ofen. Zum Essen gibt es frischen Fisch aus dem Song-kul, Kartoffeln, Tomaten und Brot. Es gibt kein fliessendes Wasser in den Yurten, für das Zähneputzen müssen wir nach draussen und die Toilette, ein Plumpsklo steht am Rande des Camps. Ein bisschen an Dschingis Kahn`s Abenteuerleben erinnert uns diese goldgelbe Abendstimmung, die Schatten der Yurt und Tiere in der untergehenden Sonne erweckt in mir eine wahre Märchenatmosphäre. Der Morgen danach begrüsst uns mit strahlendem Sonnenschein, es ist sogar windstill und über Nacht ist die Population der Esel um einen gestiegen. Der herzige „Mini-Burro“ versucht in der Morgensonne schon seine ersten Gehversuche, wenn auch noch etwas wackelig und „gstabig“. Wir verabschieden uns von unserer Gastfamilie und machen uns auf die Passstrasse die uns nach nur wenigen Höhenmetern ins das lange Jungal-Tal bringt. Nach 1500 Höhenmeter abwärtsholpern treffen wir am Abend Kochkor ein und quartieren uns im Shepard`S Life Guesthouse ein. Die fröhliche Besitzerin des Gasthauses hat viel Erfahrung mit hungrigen Velofahrern und serviert uns riesige Portionen Spaghetti, Lammfleisch, feines Gemüse, Salat, Brot, Guetzli, Schoggi und klebrigen Zückerli.
Mit echten Kamelen bekommen wir es am folgenden Tag zu tun, etwas irritiert radeln wir auf der A367 auf die Karawane zu und denken nun wohl auch die Wirkung des vielen Wodkas zu spüren den die Kirgisen täglich schlucken. Brav stehen die prächtigen Wüstenschiffe zur Fotosession bereit, zeigen sich von dieser und der anderen Seite und einer gibt sogar eine Spuck-Sapper-Etude preis.
Badewetter
So lassen wir nun die gigantische kirgisische Bergwelt als Kulisse hinter uns und strampeln gemütlich dem See Yssik-kul entlang Richtung Osten. Es ist Spätsommer, der See hat um die 20° und ein mässig-lauer Wind unterstützt uns täglich beim vorwärtskommen. Kuba Fidel, ein munterer Kirgise der uns vor einem heftigen Gewitter Asyl in seinem Haus gewährt führt uns am anderen Tag nahe der Küste vom Yssik-kul zu einem Salzsee wo wir uns ein paar faule Stunden mit floaten im Salztümpel gönnen. Fango gibt’s gleich mitinbegriffen, Thallasso auf Kirgisisch meint von Kopf bis Fuss mit schwarzem Schlamm eingeschmiert am Ufer spazieren gehen. Der kleine See ist extrem salzhaltig so wie das Tote Meer und ermöglicht dem Schwimmer auch ohne Bewegung nicht unterzugehen. Später serviert uns Kuba Fidels Frau Cay und „vegetarisches“ Fleisch in einer der vielen Yurt. Auf dem Rückweg zu unseren Velos dürfen wir einem 5 Monate alten Adler ins Auge sehen. Der Riesenvogel ist noch nicht ausgewachsen, wiegt heute aber schon an die 6 Kg und wird eine Flügelspannweite von 1,40 Meter erreichen. Nicht ganz ohne Knieschlottern geht dieses spezielle Erlebnis an mir vorbei.
Normale Dinge des Lebens
Wir wählen das Südufer vom Yssik-kul da dieser Teil des Sees noch nicht so verbaut sein soll wie der Norden und finden hier immer wieder tolle Strände die zum Pick-Nick und Baden einladen. Da die Gegend für Camping-Tourismus leider nicht mehr als so sicher gilt, übernachten wir, trotz den idyllischen Plätzchen doch lieber in den B&B`s, Guest-houses oder Home-stays. (Eine echte Räubergeschichte von Muh-und Mäh-Hirten könnt ihr lesen auf www.zippert.ch) Nicht immer leicht zu finden sind diese Häuser, angeschrieben ist hier selten etwas, die Leute reagieren auf unser Fragen nach „Gasnizia“ eher verhalten. Doch wenn wir dann nach längerem Suchen vor dem richtigen Tor stehen so fühlen wir uns immer willkommen. Kirgisische Familien öffnen ihr Haus und beherbergen für eine oder mehrere Nächte Reisende aus aller Welt. Die Frauen sprechen oft etwas Englisch, sodass wir uns wenigstens über Essenswünsche, Preis und Sehenswürdigkeiten im Dorf unterhalten können. Die Männer fehlen oft im Haushalt, sie sind in Russland am Arbeiten, in der Yurte am Vieh hüten oder leider beschäftigt mit Wodka trinken. Luxus pur sind aber solche Oasen füer uns nach einem langen Radlertag. So auch im Guesthouse von CBT (schweiz./amerikan. Hilfsorganisation) in Bökönbaev wo wir nebst einem superfeinem Znacht, einem sauberen Bett und enorm reichhaltigen Frühstück sogar eine Sitz-Toilette mit Spülung im Haus drin vorfinden. Oder im gleichnamigen Guesthouse in Tamga wo wir, nach einem faulen Nachmittag am Sandstrand gerne den Sand unter der Dusche abwaschen. Eine richtige Dusche!!, das Wasser läuft durch einen Schlauch hoch über deinen Kopf und sprüht danach warmes Wasser über deinen ganzen Körper, einfach und ganz von ganz alleine.
Richtig schön, wie man als Zentralasien-Reisender die sogenannten „normalen Dinge des Lebens“ wieder neu entdecken und ästimieren kann. Nun sind wir in Karakol, dem Ausgangspunkt für Wassersportaktivitäten oder verschiedene Bergtouren in den Tien Shan. Man sieht Back-packers mit verschiedenen Dimensionen von Rucksäcken mit schweren Bergschuhen und Eispickeln oder Flipp-Flops und Surfbrett im Schlepptau. Da wir weder noch beabsichtigen geniessen wir einfach das lebhafte Treiben in den Strassen, waschen endlich mal wieder unsere Stinkwösch und geniessen das gute Essen. Im Yamilya B&B, im schmucken Haus der weltoffenen und gebildeten Frau Yamilya haben wir ein schönes, sauberes Zimmer gefunden, sitzen im gepflegten Garten und schmieden neue Pläne für unsere Zukunft.
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